Flims 2005 - Artillerie Wetter Dienst
Der Artillerie Wetter Dienst ist eine kleine Spezialistentruppe innerhalb der Artillerie, die den Auftrag hat, mit Hilfe von Wettersonden die Atmosphäre zu vermessen und die gemessenen Daten in verarbeiteter Form den Kollegen an den Geschützen (mobile Panzerhaubitzen, fixe Festungsminenwerfer) weiterzuliefern.
![]() | ![]() |
| Ballonabfüllstation | Telemetrieeinheit |
Das System besteht aus drei Komponenten:
- Die sogenannte Auswerteeinheit, untergebracht in einem Aufbau eines geländetauglichen Kleinlastwagens, in der mit Hilfe von Computern die Wettersonden vor dem Start kontrolliert, geeicht sowie während des Sondenfluges die gemessenen Daten laufend dargestellt und ausgewertet werden. Diese sind der zurückgelegte Flugweg (Position und Höhe) und die jeweilige Umgebungstemperatur
- Die Telemetrieeinheit, ein Lastwagenanhänger in der Form eines Mohrenkopfes, unter welchem sich der Radar verbirgt. Dieser verfolgt fortlaufend das Transpondersignal der Sonde und erhält ihre Messwerte, die anschliessend zur Auswerteeinheit weitergegeben werden.
- Die Ballonabfüllstation, ein leichter Anhänger, auf welchem sich der Wasserstoff befindet mit dem die Ballone gefüllt werden und so je nach Gasmenge Auftriebe um die 1,3 kg erzeugen.
Nun mag man sich vielleicht fragen wieso dieser Aufwand überhaupt betrieben wird? Von einer modernen Artillerie darf erwartet werden, dass schon der erste Schuss im Zielgebiet ankommt und so das Überraschungsmoment ausgenützt werden kann. Wenn man sich vor Augen hält dass wir, am Bsp. der mobilen Artillerie, mit Geschossen von 15,5 cm Durchmesser, Schussweiten von 30 Kilometern und mehr mit Scheitelhöhen über 10km konfrontiert sind, wird schnell ersichtlich dass der Einfluss der Atmosphäre während dieser Zeit erhebliche Auswirkungen auf deren Flugbahn hat und keinesfalls vernachlässigt werden darf.
Was wird den Feuerleitrechnern, mittlerweile übrigens per Datenfunk, nun aber genau übermittelt? Einerseits Windrichtung und Geschwindigkeit, welche sich aus dem zurückgelegten Weg der Sonde berechnen lassen, andererseits die Luftdichte, welche aus der gemessenen Temperatur und einem Standard-Feuchtigkeitsprofil hergeleitet wird. Diese Daten werden ab Starthöhe in 100m Schritten erhoben und angezeigt, die maximal erreichbare Höhe ist, je nach Topographie und Witterung, etwas mehr als 20km! Da der Feuerleitrechner aber maximal 30 Punkte verarbeiten kann werden durch den Wetterdienst Zonen mit gleichen Bedingungen, sprich linearer Entwicklung, zu Schichten zusammengefasst.
Die einzelnen Wetterzüge einer Brigade, drei in der Zahl, stehen über eine Einsatzzentrale in Kontakt untereinander, darüber hinaus können auch Daten mit dem Wetterdienst der Luftwaffe ausgetauscht werden. Somit kann ein grosses Gebiet lückenlos abgedeckt werden, insbesondere in Höhen, die den Alpenkamm deutlich übersteigen (6km und mehr), da von dort an die atmosphärischen Bedingungen nicht mehr lokalen Einflüssen unterworfen und somit weiträumig gleich sind.
![]() | ![]() |







